Montag, 13. Februar 2012

Problemanalysen - Basis für das Wertschöpfungsentgelt

Als nächsten Post werde ich mein Konzept „Wertschöpfungsentgelt“ vorstellen.

Es ist die wichtigste Kernlösung aus meinem Buch, sowohl die Herleitung ist sehr umfassend, in einem Blog nur anreißbar, auch seine Auswirkungen sind sehr umfassend. Trotzdem ist die Lösung sehr einfach und kann das Bestehende System sanft erweitern bzw. verändern. Mehr dazu im nächsten Blog-Eintrag. 

Zunächst Ebene 1: Einige Problemanalysen

Ebene 1a) Problemanalyse Wertschöpfung und Belohnung

Jeder der Geld verlangt oder bezieht tut dies, um damit Leistungen in Anspruch zu nehmen. Sei es der Erwerb von Gütern wie Lebensmitteln oder LCD-Fernsehern oder der Erwerb von Dienstleistungen wie ärztliche Behandlungen oder Haare schneiden.

Menschliche Arbeit und die Natur erbringen zusammen 100% der Leistung, die Menschen in Anspruch nehmen.
Produktivitätsmittel –wie Computer und Roboter – potenzieren die Menschliche Arbeitskraft. Sie sind ebenso zu 100% von Mensch und Natur erzeugt und erdacht worden. Man muss sich klar machen, dass Geld nicht arbeitet. Jeder Geldzuwachs muss entweder durch Leistung gedeckt werden oder führt zu Inflation. Wenn es nur gespart wird, führt es zur Machtvergrößerung bei dieser Bevölkerungsgruppe statt zur Inflation.

Jede Leistung, die Menschen etwas wert sind, werden bezahlt und sind über die Gesamteinnahmen aller Unternehmen sichtbar – ausgenommen Schwarzarbeit, ehrenamtliche und zwischenmenschliche Dienste. Diese Gesamteinnahmen betragen 4.891 Mrd. Euro pro Jahr. Darin finden sich doppelte Buchungen wieder, z.B. wenn ein Autohersteller Teile zukauft, diese dann im Auto später wieder verkauft werden. Deshalb müssen von den 4.891 Mrd. Euro die Vorleistungen in Höhe von 1.890 Mrd. Euro abgerechnet werden. Übrig bleiben 3.001 Mrd. Euro, die also real an Leistung erbracht wurden. Davon wurden ca. 1.040 Mrd. € durch den Staat geleitet, weiter ca. 1.030 Mrd. € durch das Finanzsystem umgeleitet (Zins & Renditen), siehe Kapitel 24.3: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/Querschnittsveroeffentlichungen/StatistischesJahrbuch/Jahrbuch2009.psml.

Diese gesamte Leistung wird von den arbeitenden Menschen erbracht (36 Mio.) und werden dann an alle Menschen verteilt (82 Mio).

Das bedeutet: Alle Nebenkosten des Arbeitseinkommens wie Einkommensteuer, Arbeitgeberanteil der Renten- und Arbeitslosenversicherung, Krankenkasse usw. (und damit auch alle Renteneinkommen, Arbeitsloseneinkommen, Kosten des Gesundheitssystems usw.) werden von den Arbeitenden getragen. Darüber hinaus letztlich auch noch die Umsatzsteuer, Unternehmensteuer und Kapitalabführungen der Unternehmen (welche zu Vermögenseinkommen werden).
Und die Arbeitenden erbringen alle Leistungen der Volkswirtschaft, die von Arbeitenden, Rentnern, Arbeitslosen, Privatiers oder Kranken in Anspruch genommen werden (da niemand sonst Leistungen erbringt).

Besteuert werden heute nahezu nur die Leistungsentgelte. Man spricht schon von einer Wertschöpfungssteuer (z.B. milton2011 hier im Forum), was im Grunde ein ehrliche Begriff ist. Würde man Sozialeinkommen besteuern, musste man diese um den gleichen Betrag erhöhen wie die Steuern, die dazukommen – es bringt also nichts. Vermögenseinkommen wird heute nur geringfügig versteuert. Ein Teil des Vermögenseinkommens wird mit 25% (Quellensteuer) besteuert, doch der Großteil bleibt ohne Versteuerung, faktisch lagen die Einnahmen der öffentlichen Hand aus Vermögenssteuer bei gerade einmal 7,9 Mrd. Euro.

Die Fakten:
EKSt: Arbeitnehmer: 181,3 Mrd. , Arbeit gesamt: 246 Mrd. Euro (mit Selbst. % Geschäftsführern)
Vermögensteuer: 7,9 Mrd. Euro
Sozialversicherungsbeiträge (auch Renten): bezahlt durch Arbeitseinkommen 550 Mrd. Euro (inkl. Zuschuss zur Rentenkasse durch Steuergelder), durch Vermögenseinkommen 0 Euro.

Liegt es da nicht auf der Hand, dass dazu ein Ausgleich geschaffen werden sollte?

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Ebene 1b) Geldschöpfung heute und ihre Wirkung:

Die Gesellschaft ist überschuldet, so liest man oft in den Print-Medien.
Wir haben aber ein Geldsystem, in dem jedem neuen Vermögen neue Schulden in gleicher Höhe gegenüberstehen müssen.
Das bedeutet: Jemand hat das Vermögen, mit dem „die Gesellschaft“ angeblich verschuldet ist.

Wie die Geldschöpfung funktioniert, erklärt z.B. die FAZ:

Was die FAZ aber nicht beschreibt ist, dass die Banken für ihre (geschöpften) Kredite Zins verlangen und so an jeder Geldschöpfung mittelfristig verdienen.
Diese Form der Geldschöpfung in Kombination mit dem Zins/ Renditesystem führt zum exponentiellen Wachstum.
Die Geldmenge wächst exponentiell, die Schulden des Staates und der Unternehmen wachsen exponentiell und die Vermögen ebenfalls.
Schön dargestellt ist die Parallelität der Vermögen und Schulden u.a. in Margrit Kennedys Buch „Occupy Money“, Grafik auf S. 26.
Was nur wenigen bewusst ist: Durch dieses System wachsen die Schulden also um so schneller, je mehr wir unsere Produktivität steigern.

Man kann dazu zig Argumente aufführen, zig Gegenargumente widerlegen aber ich will mich hier auf eines konzentrieren, das letztlich alles beweist:
„Wirksamkeit ist das Maß der Wahrheit“ (Hawaiianisches Huna-Prinzip) bzw. „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Christliche Weisheit aus der Bibel).
ð  Am Ergebnis erkennt man die Wirkung der Systemregeln.

Deutsche Unternehmen haben seit 1948 insgesamt 2,4 Billionen Euro Handelsbilanzüberschuss erzielt, sind aber mit 3,6 Billionen Euro verschuldet.
Der Staat hat angeblich die Geldmenge erhöht. 1948 war sie bei ca. 48 Mrd. Euro, heute liegt sie bei ca. 4,5 Billionen Euro, doch er Staat ist mit 2 Billionen verschuldet. Die Bürger haben dagegen ein Geldvermögen von ca. 5 Billionen Euro, Gesamtvermögen von ca. 8 Billionen Euro, 10% der Bevölkerung gehört davon mindestens 61% (Zahl von 1998, heute sicher höher) http://www.bpb.de/wissen/U4CJQA,0,0,Verm%F6gensverteilung.html. Zählt man die Vermögen der 300 reichsten Menschen Deutschlands zusammen, sind das 2008  472 Mrd. €, also sind ca. 6% des Gesamtvermögens in Deutschland in der Hand von 0,0004% der Bevölkerung (Managermagazin 12/2008) hier die von 2006 online: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/0,2828,441715,00.html .

Dies ist letztlich ein gigantischer Buchungsfehler, siehe dazu auch dieser exzellente Artikel: http://spreegurke.twoday.net/stories/49594757/

Die jährlichen Verdienste richtig gerechnet:
Netto-Arbeitseinkommen in Deutschland: ca. 570 Mrd. Euro  (36 Mio Menschen arbeiten)
Sozialeinkommen (Rente + Harz IV): 550 Mrd. Euro (weitere 46 Mio Menschen werden mitversorgt, darunter natürlich auch Familienmitglieder der Arbeitenden, die nicht über Sozialeinkommen versorgt werden)
Vermögenseinkommen: Je nach Rechnung 388 Mrd. o. 873 Mrd. in 2010 (vor der Krise 2008 war es noch höher, wird auch wieder steigen), davon profitieren nur 16 Mio Menschen überhaupt (die anderen 80% zahlen insgesamt mehr Zins & Rendite als sie bekommen, das ist nachgewiesen), die reichsten 8 Mio am meisten.

Durch unser Geld- und Finanzsystem wird die Realwirtschaft in die Verschuldung und Enteignung getrieben, während über die Finanzwirtschaft einige wenige immer reicher werden. Dies ist durch die von Menschen geschaffenen Systemregeln mathematisch unumgänglich. Doch da dieses System von Menschen geschaffen wurde, können wir es auch jederzeit ändern. Die Frage ist nur, wie dies am Besten geschieht und wie man das dann in der politischen Realität umsetzt.

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Ebene 1c)

Da das große Geld im Finanzsektor zirkuliert, gibt es noch zahlreiche andere Auswirkungen:
-          Das Finanzwesen agiert international und mit großen Geldmengen, was regionale Regierungen immer mehr entmachtet.
-          Die Werte der Geldanleger dominieren in der Gesellschaft: Profit, materielles Wachstum, Anlagesicherheit. Alle anderen Werte werden durch dieses System untergeordnet.
-          Es entstehen wachsende Machtzentren durch Geldansammlungen, die langfristig die Demokratie und Gleichheit gefährden.
-          Unternehmen werden vom Kapital getrennt, werden von externem Kapital abhängig. Dadurch werden auch deren Mitarbeiter abhängig.
-          Gesellschaftsdienliche Tätigkeiten wie die von Krankenschwestern werden gering entlohnt, gesellschaftlich unrelevante oder schädliche wie von Brokern werden zu hoch entlohnt.
-          U.v.m…

Ende der Ebene 1

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